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Alt 31.03.08, 21:04   #21
saddam
Massenmörder
 
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Ort: Babylon
Standard Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

Neue Abmahnfallen

Ebay-Nutzer bekommen teure Post vom Anwalt

Rechtsanwälte haben Kunden des Auktionshauses Ebay als ergiebige Einnahmequelle entdeckt. Wegen vermeintlicher Formfehler mahnen sie systematisch Verkäufer ab. Nun flattern bei Tausenden Privatleuten deftige Rechnungen ins Haus. Bislang hatten die Anwälte nur professionelle Händler im Visier.



Seine Eltern freuten sich darüber, was für ein sinnvolles Hobby ihr Sohn doch hatte. Nach der Schule schraubte Deniz Boschner an den alten Laptops herum, die Verwandte und Nachbarn ausgemustert hatten. Teile, die er nicht mehr brauchte, versteigerte der 16-jährige Schüler aus München bei Ebay. Das Konto lief auf den Namen seiner Mutter Claudia, weil Deniz ja noch nicht volljährig ist. Der Junge versteigerte Speicherkarten, eine alte Tatstatur, einen Bildschirm. Das brachte nur ein paar Euro – aber egal: Er machte es ja zum Spaß.
Ganz anders der Berliner Rechtsanwalt, von dem die Boschners bald Post bekamen. Der fuhr gleich schweres Geschütz auf: Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, Abmahnung, Unterlassungserklärung. Der Schüler beziehungsweise seine Mutter sei aufgrund der Ebay-Transaktionen als gewerblicher Händler einzustufen und habe die dafür vorgeschriebenen Standards nicht beachtet. Solche Rechtsverstöße sollten die Boschners in Zukunft gefälligst unterlassen. Vor allem aber sollten sie einige Hundert Euro Rechtsanwaltskosten für diese Abmahnung zahlen. „Was für ein Blödsinn, haben wir gedacht, und das Schreiben erst mal ignoriert“, sagt Deniz’ Vater Serdar. Das war, wie sich herausstellen sollte, ein Fehler.


Tausende Ebay-Nutzer haben in den vergangenen Monaten unliebsame Post erhalten. Nachdem professionelle Anbieter schon länger mit Massenabmahnungen bombardiert werden, nehmen die Anwälte nun auch Privatpersonen aufs Korn. „Das ist eine Plage“, sagt Johannes Richard, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz in Rostock. Bei ihm häufen sich die Fälle. „Ebay steht extrem im Fokus der Abmahner – weil es so einfach ist. Dort kann jeder Verkäufer werden, auch wenn er keine Ahnung hat.“

Doch gerade weil bei Ebay alles so einfach ist, tappen viele Nutzer in eine Falle: „Wer in zwei Monaten 40 Artikel verkauft, gilt als gewerblicher Händler. Er ist dann rechtlich nicht anders gestellt als das Quelle-Versandhaus“, sagt Richard. Und das bedeutet, dass er dieselben Pflichten hat: Er muss Kunden eine Gewährleistung bieten, sein Angebot mit einem formal korrekten Impressum und einer Widerrufsbelehrung versehen.

Davon hatte Schüler Deniz natürlich keine Ahnung. Weil auch seine Eltern den Vorwurf absurd fanden, ließen sie es auf einen Prozess ankommen und reisten für die Verhandlung von München nach Berlin. „Doch der Richter schaute kaum in die Akte, nach ein paar Minuten war die Sache erledigt“, sagt Claudia Boschner. Das Gericht bestätigte den Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Die Boschners mussten 4500 Euro zahlen.
Ebay ist die ideale Plattform, um Abmahnopfer zu finden
Für die Abmahn-Juristen sind Verkäufer der Internetplattform einfache Opfer. „Nach meiner Erfahrung sind es immer wieder dieselben zehn, fünfzehn Rechtsanwälte, die Ebay-Verkäufer mit Abmahnungen überziehen“, sagt Experte Richard. Die Juristen suchen nach häufigen Formfehlern und mahnen mit Musterschreiben ab. Richard: „15 Minuten Arbeit – 300 bis 700 Euro Honorar.“
Da ist kein Anlass zu banal für eine schnelle Abmahnung. Das musste auch Sabine K. erfahren, Verkäuferin und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Die 43-Jährige hat vor ihrer Parterrewohnung einen Garten angelegt, in dem es grünt und blüht. Die Hobbygärtnerin düngt, gießt – und friemelt die Samenkörner aus den Stockrosen und Petunien. Die bietet sie bei Ebay an: ein Euro pro Tütchen.
„Im Januar gab es bei Ebay einen gebührenfreien Tag – deshalb habe ich gleich 150 Samentütchen auf einmal eingestellt“, sagt Sabine K. „Zwei Wochen später hatte ich Post.“ Die Verkäuferin wurde innerhalb von vier Tagen gleich zweimal abgemahnt. Ein Brandenburger Rechtsanwalt verlangte 411 Euro, ein Marburger Jurist sogar 800 Euro. „Das ist doch ein abgekartetes Spiel“, vermutet sie.
Online-Hilfe beim Ebay-Experten
Der Ebay-Experte Axel Gronen bietet ein eigenes Internetportal an, das über die Fallstricke informiert. „Es gibt teilweise absurde Urteile und keine festen Umsatzgrenzen. Jeder regelmäßige Ebay-Nutzer muss damit rechnen, als gewerblicher Händler zu gelten“, sagt Gronen. Bei ihm meldeten sich in den letzten eineinhalb Jahren 2500 Abgemahnte. „Die Gesamtzahl der Abmahnungen bei Ebay dürfte im letzten Jahr zwischen 40.000 bis 50.000 gelegen haben. Darunter vielleicht 2000 bis 3000 Privatpersonen.“

Auch Walter Jung, 52, fühlt sich als Opfer. „Ich hatte nach einer längeren Ebay-Verkaufspause aufgeräumt und ein paar mehr Sachen eingestellt: alles Dinge, die wir selbst im Gebrauch hatten, zum Beispiel alte Tauchausrüstungen, defekte und alte Notebooks, Drucker, einige Computerersatzteile sowie Nachlassgegenstände. Als dann plötzlich eine Abmahnung kam, in der mir gewerblicher Handel unterstellt und gleich 735 Euro gefordert wurden, war ich völlig aufgelöst“, berichtet der Familienvater aus Remagen. 665 Euro Anwaltskosten hat er nach einer einstweiligen Verfügung bezahlt. „Aber nur unter Vorbehalt“, sagt Jung: „Wir wollen nun Widerspruch einlegen.“
Die Abgemahnten fühlen sich von Ebay im Stich gelassen „Die Abmahnproblematik scheint zuzunehmen“, heißt es bei Ebay. Man biete Schulungen und ein Internetportal zu Rechtsfragen an. Eine Möglichkeit, gegen die Praktiken vorzugehen, habe Ebay aber nicht.
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Seid smart, kauft bei saddam!!!
über 600 DVDs
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Alt 31.03.08, 21:09   #22
ARNO
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Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

Der sogenannte "Anwalt" ist ja dann bekannt und man sollte dann mit ihm ein ernstes Wörtchen unter vier Augen "reden"... Spätestens dann vergeht denen ihr Spaß am Abmahnen!
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Alt 31.03.08, 21:11   #23
Kaisa.Skab
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Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

Finde ich wirklich eine richtige Unverschämtheit... Die scheffeln die Kohle mit solcher scheiße.. und die ahnungslosen verkäufer sollen dann zahlen... kann ich einfach nur den kopf drüber schütteln! sowas ist einfach nur zackendreist!
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"Aber seit wann stört es ein Mentalverstrahlten, wenn der Wärter das Licht ausknipst?"
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Alt 31.03.08, 21:16   #24
*chrizzz*
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Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

Wusst ich jetzt noch auch nicht, dass das wirklch so ist. Ein Atze hat vor kurzem gemeint, dass man nur einen bestimmten Umsatz pro Jahr machen darf, um nicht als Händler zu wirken.
Aber jetzt gehts hier um Anzahl der verkauften Artikel - ist ja echt mal lächerlich! Wollte demnächst mal n Stapel CD's verhökern...
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Alt 31.03.08, 21:17   #25
saddam
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Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

......ich finds ebenfalls wirklich unverschämt, obwohl man leider sagen muss, ist es rechtlich vollkommen legitim! Wobei es auch aus rechtlicher Sicht dubios erscheint, dass ein Schüler 4500€ "Strafe" zahlen muss
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Alt 31.03.08, 21:25   #26
bankz
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Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

scheiss anwälte, wollen aus scheisse geld machen, da vergeht es einen bei ebay was zu verkaufen
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Alt 31.03.08, 21:28   #27
Kaisa.Skab
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Ort: Ost-Berlin
Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

Zitat:
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......ich finds ebenfalls wirklich unverschämt, obwohl man leider sagen muss, ist es rechtlich vollkommen legitim! Wobei es auch aus rechtlicher Sicht dubios erscheint, dass ein Schüler 4500€ "Strafe" zahlen muss
Ja so siehts leider aus.. tja Deutschland und seine vielen Gesetze.. die Rechtsanwälte profitieren davon
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Alt 31.03.08, 21:33   #28
Ferocs
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Ort: KEMPEN - ST. HUBERT
Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

Zitat:
Zitat von saddam Beitrag anzeigen
Wobei es auch aus rechtlicher Sicht dubios erscheint, dass ein Schüler 4500€ "Strafe" zahlen muss
Nicht er wurde verurteilt, sondern seine Mutter weil die ihm Account zur Verfügung gestellt hat. Wurde wahrscheinlich an ihrem Gehalt bemessen.

Das Dumme is das die Mutter wusste was ihr Sohn tat. Hätte er sich einfach bei der Anmeldung seines Accounts ein anderes Geburtsdatum ausgedacht, wär das zwar nicht ganz im Sinne der ebay AGB. Aber man hätte die Mutter nicht so hart bestrafen können, da ihr Sohn ja garnicht richtig geschäftsfähig ist. 4500€ sind stark übertrieben... Will mal sehen was man einem zufügen muss damit man 4500€ Schmerzensgeld zahlen muss. Naja vielleicht verkauft der Junge ja jetzt Drogen oder so, irgendwo muss das Geld ja herkommen und die Strafen sind auch net so hoch!
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AM SONNTAG PIRATENPARTEI WÄHLEN!!!!
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Alt 31.03.08, 21:38   #29
saddam
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Standard AW: Ebay: Es werden immer mehr Privatanbieter abgemahnt

Zitat:
Zitat von Ferocs Beitrag anzeigen
Nicht er wurde verurteilt, sondern seine Mutter weil die ihm Account zur Verfügung gestellt hat. Wurde wahrscheinlich an ihrem Gehalt bemessen.
stimmt, wobei wie du schon geschrieben hast, 4500€ stark unverhältnismäßig ist!!!
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Alt 31.03.08, 21:40   #30
saddam
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Ort: Babylon
Standard Offener Brief an die FSK

EIN OFFENER BRIEF ZUR GÄNGIGEN PRAXIS DER FREIWILLIGEN SELBSTKONTROLLE DER FILMWIRTSCHAFT, SELBST AB18-EINGESTUFTE KINOFILME ZU ZENSIEREN.


Sehr geehrte Freiwillige Selbstkontrolle (FSK),


Aus aktuellem Anlass habe ich ein paar Fragen an Sie und bitte um Ihre Stellungnahme (dieser Brief geht auch an nationale (Film-)Magazine und -internetseiten).

Sie haben dem Kinofilm JOHN RAMBO, der seit vergangenem Donnerstag in den deutschen Lichtspielhäusern läuft, in seiner ungekürzten Fassung die Freigabe verweigert. Die Begründung: "schwere Jugendgefährdung". In meinem Kino läuft nun eine gekürzte Fassung mit dem Siegel "keine Jugendfreigabe". Im Klartext: Kein Jugendlicher erhält Zutritt. Wenn ich logisch kombiniere, bedeutet das, dass es für das Siegel "keine Jugendfreigabe" vollkommen unerheblich sein müsste, ob ein Film "schwer jugendgefährdend" einzustufen ist oder nicht. Weshalb sehen Sie das anders?

Meine einzige Erklärung: Sie gehen davon aus, dass es unter Umständen passieren kann, dass Minderjährige in den "Genuss" eines solchen Machwerkes kommen könnten. Kann das bei Filmen, die "keine Jugendfreigabe" bekommen, nicht passieren? Wenn man nun davon ausgeht, dass auch Leute Filme sehen, die nicht die geeignete Altersstufe erreicht haben, ist dann nicht das ganze Prinzip der Freiwilligen Selbstkontrolle von vorn herein ad absurdum geführt? Müsste man dann nicht so konsequent sein, sämtliche Filme vom deutschen Markt zu nehmen, die nicht "ohne Altersbeschränkung" freigebbar sind?

Ich muss gestehen: Ich schreibe in Unkenntnis von JOHN RAMBO. Ich schaue mir aus Prinzip keine zensierten Filme an, auch und gerade deshalb, weil ich in einem Land lebe, in dem laut Grundgesetz keine Zensur stattfindet. Ich kenne aber dank Auslandsaufenthaltes die von Ihnen kürzlich ebenfalls beanstandeten Filme SAW III, THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE - THE BEGINNING und sogar DARD DIVORCE (letzterer von ihrem Lieblingsregisseur Olaf Ittenbach) in ihren unzensierten, von den Künstlern so intendierten Fassungen. Deshalb spreche ich mir die Kompetenz zu, mich zu dieser Thematik zu äußern.

Ich gebe zu: Es sind extreme Filme. Und ich gebe zu: Es war meine freiwillige, selbst getroffene Entscheidung, sie mir anzusehen, mich ihnen auszusetzen. Ich bin 27 Jahre alt und nehme mir dieses Recht. Weshalb nehmen Sie sich das Recht, mich in dieser Hinsicht zu bevormunden?

Die Filme werden Ihnen von den Verleihfirmen zur Sichtung vorgelegt, wofür sie einen vierstelligen Betrag entrichten. Ohne Ihre Einstufung darf ein Film in Deutschland nicht beworben und frei verkauft werden. (Was die Frage aufwirft: Weshalb steht das "F" in "FSK" für "Freiwillig" und das "S" für "selbst"…?) Diese Einstufung nimmt eine wechselnde Gruppe von Personen vor. Weshalb kann diese Gruppe von Menschen Filme in Fassungen sehen, vor denen ich offensichtlich geschützt werden muss? Was macht sie resistenter gegen "schwere Jugendgefährdung" als mich 27-Jährigen? Ich bitte, diesen Personen meinen Dank und meine Hochachtung auszurichten, dass sie sich all diesem augenscheinlichen Schund, der nicht als Kunst einzustufen und somit zensierbar ist, aussetzen und ihre geistige Gesundheit und psychische Entwicklung mir zu Liebe aufs Spiel setzen. (Was mich zu der Frage führt: Ist Schund, der zensiert wird, dadurch kein Schund mehr und auf einmal Kunst? Dann habe ich noch weit größere Hochachtung! Das nennt man aus (zensiert) Gold machen. Sie sollten Horrorfilme drehen.) Ich habe höchsten Respekt davor, dass sie (noch!) nicht Amok laufen. (Ein Amoklauf steht für die nächste Zeit übrigens auch nicht auf meiner Agenda - obwohl ich SAW III, TEXAS CHAINSAW MASSACRE - THE BEGINNING und sogar DARD DIVORCE unzensiert gesehen habe. Ich bin gespannt, was passiert, wenn ich JOHN RAMBO gesehen habe… Sollte es soweit sein: Ich verspreche, ich gehe dazu in das Land, dass mich diese Filme hat sehen lassen.)

Um nicht missverstanden zu werden: Nicht über Amokläufe mokiere ich mich - jeder einzelne ist eine furchtbare Tragödie -, sondern über den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit ihnen. Dieser zeugt zumeist von Hysterie und blindwütigem Aktionismus, selten von Verantwortungsbewusstsein. In dieser Hinsicht habe ich noch einen: Ich weiß aus sicherer Quelle, dass sich der Amokläufer von Erfurt jeden Abend, bevor er zu Bett ging, die Zähne geputzt hat. Ich beantrage, Zahnbürsten zu verbieten und Dr. Best, den alten Tomatenfolterknecht, vor Gericht zu stellen - ein unmittelbarer Zusammenhang ist nicht von der Hand zu weisen. Ist das geschmacklos? Ich halte es für geschmacklos, auf Kosten von Todesopfern und ihren Angehörigen billigen Populismus zu betreiben.
Ich stelle fest: Die Menschen tun sich Gewalt an, seitdem sie auf der Erde sind (schon mal die Anfangssequenz von Kubricks 2001 gesehen?) Die Kunst bringt diese Gewalt nicht hervor (Kubricks 2001 ist KEINE zeitgenössische Produktion). Sie reflektiert sie. Sie hilft uns, mit ihr umzugehen, ihre Mechanismen eventuell sogar ein Stück weit verstehen zu lernen. Die reale Gewalt bringt Filmgewalt hervor, nicht umgekehrt. Ich ahne Ihren Einwand: "Ist es denn auszuschließen, dass die dokumentierten jugendlichen Amokläufer aufgrund von Filmen, Musik und Computerspielen zu ihren Taten angestiftet wurden?" Es wäre naiv und genauso blind populistisch, dies schlicht zur verneinen. Nur: Ich behaupte, dass diese Fehlgeleiteten früher oder später auch ohne diesen Einfluss zu tickenden Zeitbomben mutiert wären. Die Wurzeln liegen nicht in ihrem DVD-Regal, sondern in ihrem familiären und soziokulturellen Umfeld. Und diese Wurzeln heben Sie mit dem Verbot von JOHN RAMBO, HALF LIFE und MARILYN MANSON nicht aus. Zur Sicherheit können wir aber gerne die Zahnbürsten aus den Supermarktregalen unter die Ladentheken verbannen.

Nun einmal ganz ohne Ironie: Ich respektiere Ihre Arbeit und finde eine Alterseinstufung sinnvoll und wichtig. Nicht jeder Film ist für jedes Alter geeignet und es ist gut, wenn sich kompetente Leute damit auseinandersetzen. Ich habe den Eindruck, dass Sie diese Verantwortung sehr ernst nehmen und ihr auch gerecht werden. (Gelegentliche Fauxpas - wie die ab6-Freigabe für den mit expliziten sexuellen verbalen und visuellen Inhalten gespickten KEINOHRHASEN oder umgekehrt die kJ-Feigabe für BLACK SHEEP, eine harmlose schwarze Komödie mit für zumindest jeden 16-Jährigen durchschaubaren Effekten - können durchaus vorkommen und stellen Ihr Tun nicht in Frage.) Aber gebietet es nicht der gesunde Menschenverstand, dass es mit einer Freigabe ab18 genug sein muss? Filme für Erwachsene zu zensieren ist Bevormundung eben jener Erwachsener. (Wenn ich das richtig verstanden habe, sind "kJ"-freigegebene Filme noch "schlimmer" als ab18-Filme und werden ihrerseits noch von Filmen mit "SPIO"-Siegel getoppt?)


Kurz zu meiner Person: Ich bin tatsächlich schon als Minderjähriger an "schwer Jugendgefährdende" Filme herangekommen. Peter Jacksons Splattermeisterwerk BRAINDEAD sah ich zum ersten Mal mit 14 Jahren - nicht die damals in Deutschland erhältliche um sechs Minuten gekürzte, sondern die völlig unzensierte Version. Die deutlich als solche erkennbaren, nicht mit der Realität zu vereinbarenden Spezialeffekte haben mich als Pimpf begeistert und nicht verstört, sondern vielmehr zum Lachen gebracht. Daraufhin habe ich mich, selbstverständlich gegen das Verbot meiner verantwortungsbewussten Eltern, in eine Nachmittagsvorstellung von Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' Vampirfarce FROM DUSK TILL DAWN geschmuggelt. (Meiner Beobachtung nach sind Kinobetreiber in dieser Hinsicht inzwischen strenger geworden - zum Glück!) Die Nacht darauf habe ich wunderbar geschlafen. Nur nach dem Kinobesuch von JURASSIC PARK habe ich mich eine Woche nicht aufs Klo getraut - FSK: völlig zu Recht ab12. Es gehört zum Erwachsenwerden dazu, mit Ängsten konfrontiert zu werden. Nicht umsonst wimmelt es in den Märchen der Gebrüder Grimm von grausamen Hexen und ist der Struwwelpeter ein wahres BLOOD FEAST (der Film dieses Titels aus dem Jahre 1963 ist meines Wissens immer noch beschlagnahmt?) Der sichere Kinosessel - und in meinem Fall zusätzlich die Toilette - ist der beste Platz dafür.
Ich habe nicht nur mein Abitur bestanden, ich bin sogar gerade dabei, meinen Universitätsabschluss zu machen. Fach: Medienwissenschaft. Ich habe mich zu einem pazifistischen, gesellschaftsfähigen Bürger dieses Landes entwickelt, der noch niemals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Meine letzte Schlägerei hatte ich im Alter von elf Jahren (also VOR meiner Entdeckung der "schwer jugendgefährdenden" Filmkunst). Dazu bin ich nicht trotz, sondern (auch) wegen meiner Leidenschaft für extreme Filme geworden - und alle Anzeichen sprachen eigentlich dagegen: Ich bin darüber hinaus großer Heavy-Metal-Fan und habe auch schon Nächte mit PC-Ballerspielen verbracht. (Ach ja - Comicfreund bin ich auch noch, aber die sind ja seit etwa 40 Jahren weitgehend aus der Schusslinie.) Dazu komme ich aus einem christlichen Elternhaus und kannte die blutrünstigen Geschichten des Neuen und Alten Testaments bereits im Kindergartenalter. (Nur so am Rande: Im Alten Testament gilt Gewaltanwendung durchaus als probates Konfliktlösungsmittel - ist das nicht eines Ihrer Kriterien für "schwere Jugendgefährdung"…?) Meine Leidenschaft für extreme Kunst, die wie eben beschrieben, etwa mit 14 Jahren aufkam, hat mich nicht behindert, sondern sogar gefördert. Ich habe weit bewusster als meine Altersgleichen über Kunst zu reflektieren angefangen. Warum? Weil es mir ein Rätsel war, warum das, was mich begeistert hat, andere abstieß. Weil ich mich immer in der Position sah, mich für das, was mich faszinierte, rechtfertigen zu müssen.

Wie es möglich sein kann, dass ich mental nicht degenerierter bin als der Durchschnittsdeutsche, erkläre ich mir neben meinem gefestigten Elternhaus mit der Katharsis-Theorie des Aristoteles (384 - 322 v. Chr.). Simpel ausgedrückt besagt sie:
Theaterschauspieler leben in ihrer Darstellung extremer Emotionen diese stellvertretend für den Zuschauer aus und dieser wird so vom sicheren Platz und ohne Gefährdung Dritter von ihnen gereinigt. Wie hätte Aristoteles wohl darauf reagiert, wenn in Sophokles' Ödipus die blutigen Szenen zensiert worden wären...? Er hätte ein Schreiben an die verantwortliche Behörde verfasst.

Ich bin neben meinem Studium Veranstalter eines Festivals für extreme Filme. (Keine Sorge: Wir führen bewusst strenge Alterskontrollen durch!) Durch diese Tätigkeit komme ich mit vielen Fans extremer Filmgenres in Kontakt. Meine Beobachtung: Hierbei handelt es sich um Menschen, die sehr bewusst über Kunst im Allgemeinen und Filmkunst im Speziellen reflektieren, sehr kritisch damit umgehen. Sie teilen meine Faszination für ausgefeilte Special-Effects, für die Auslotung von Grenzbereichen auf künstlerischer Ebene, für schwarzen Humor und die Infragestellung von Tabus. Für die Leute, mit denen ich in diesem Rahmen zu tun habe, kann ich sagen, dass sie ebenso meine pazifistische Weltanschauung teilen und niemals eine Hand - geschweige denn ein Hackebeil oder eine Kettensäge - gegen einen anderen Menschen erheben würden. Kunst ist Reflexion. Kunst führt zu Reflexion. Auch und gerade extreme Kunst. Nach meiner Erfahrung, die auch auf dem Besuch ausländischer Filmfestivals beruht, führen gerade extreme Filme bei einem volljährigen Publikum weniger zu psychischen Schäden als vielmehr zu angeregten Diskussionen auf einem intellektuellen Niveau, zu denen ein E-MAIL FÜR DICH niemals anregen kann (und nicht will). Oft genug werden diese Filme für ihre deutsche Kino- und DVD-Auswertung von Ihnen ihrer Spitzen beraubt. Zu Diskussionen geben diese Fassungen keinen Anstoß mehr, sie sind tatsächlich nur noch stumpfe Genreproduktionen ohne Daseinsberechtigung.

Was tatsächlich verboten gehört, nicht unter den Deckmantel der Kunst gekehrt werden darf und von Ihnen auch geahndet wird: Jeder Film, durch den Geschöpfe unfreiwillig zu schaden kommen. Dazu zählen Filme mit volksverhetzendem Inhalt, Tier- und Kinderpornografie und Snuff-Produktionen. Apropos: Kennen Sie die berühmtesten Snuff-Aufnahmen der Welt? Sie liefen am 11. September 2001 rund um die Uhr live auf allen Fernsehsendern dieser Welt. Auf die Idee, dass es für Minderjährige zutiefst verstörend sein kann, reale Menschen aus dem drölfzigsten Stock in den sicheren Tod zu springen, kam nur der Horrorfreak - ich habe meinen damals 12-jährigen Bruder aus dem Zimmer geschickt und den Fernseher ausgemacht. Diese Bilder in Wiederholungsschleife stumpfen weit mehr ab als ein kettensägenschwingender Irrer in Menschenhautmaske in einem fiktiven Horrorfilm.

Wenn Sie tatsächliche Jugendgefährdung ausmachen wollen, brauchen Sie nur zur Nachmittagszeit den Fernseher einzuschalten (ich weiß, dafür sind Ihre Kollegen von der FSF verantwortlich): Zu Uhrzeiten, in denen Kinder aus der Schule zurück, ihre Eltern aber noch in der Arbeit sind, bekommt der Knirps beispielsweise in Gerichtsshows, die sich den Anschein der Realität geben, den ein Achtjähriger nicht in der Lage ist zu durchschauen, Vergewaltigungen, Nötigungen, Misshandlungen, Kindesmissbrauch,… en masse vorgesetzt. Da dies alles täglich und in mehreren Sendern ausgestrahlt wird, wird suggeriert, solche Verhältnisse seien normal. Hätte es dieses Programm in meiner Kindheit gegeben, ich wäre zum Spielen nur noch in den Keller gegangen. Aber nicht in den von Freunden...
Wenn Sie gegen "Verletzung der Menschenwürde" (wenn ich recht informiert bin, ist das eines ihrer Kriterien, die zu Indizierung führen können) vorgehen wollen, schalten Sie Boulevardmagazine wie RTL Explosiv ab. Hier werden reale Menschen vor die Kamera gezerrt, die vor einer Reportermeute zu Fragen wie "Ihr dreijähriger Sohn wurde soeben von einem Mähdrescher überfahren. Wie fühlen Sie sich?" genötigt werden. Wobei Sie mir an dieser Stelle erklären können, wie ein Special-Effects-Künstler die Menschenwürde verletzten kann, wenn er einen mit Kunstblut gefüllten Plastikball zum Platzen bringt?


Mein Fazit: Jugendschutz ja. Erwachsenenschutz nein.


Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und bin sehr gespannt auf Ihre Antwort. Sollte ich mitunter in meiner Wortwahl zu schroff geworden sein, entschuldige ich mich. Es liegt nicht in meiner Absicht, Sie zu beleidigen. Sollte dies stellenweise doch der Fall sein, sehen Sie uns als quitt an - ich empfinde es nämlich als persönliche Beleidigung an, nicht selbst über mein Unterhaltungsprogramm bestimmen zu dürfen.


Matthias Engelhardt

PS: Seien Sie versichert: Trotz des mitunter sarkastischen Tonfalls ist es mir mit diesem Schreiben durchaus ernst.




Ich habe zu dem Streitfall JOHN RAMBO auch einen Leserbrief an die Zeitschrift CINEMA geschrieben, den ich Ihnen nicht vorenthalten will:


Hallo, CINEMA!

Zu dem Thema JOHN RAMBO. Ich persönlich finde die von Euch angestoßene Gewaltdiskussion lächerlich. Sylvester Stallone hat einen Film für Erwachsene gemacht. Jedem, der über 18 Jahre alt ist, sollte zugestanden werden, selbst für sich entscheiden zu können, was er sich antun mag und was nicht. Ich selbst würde mir den Film sehr gerne antun, doch die FSK erklärt mich, Alter 27, für unmündig. Während also ein Film wegen "schwerer Jugendgefährdung" auch einem volljährigen Kinopublikum nicht in voller Länge zugemutet werden kann (ungeachtet der Tatsache, dass man ab18 kein Jugendlicher mehr ist), gibt man einen Film wie KEINOHRHASEN ab6 Jahren frei (eineinhalb Monate nach Kinostart auf ab12 hochgestuft). Ein witziger und intelligenter Film und Til Schweiger sei sein Erfolg gegönnt (zumal er ganz offensichtlich nicht auf ein Grundschulpublikum aus war). Doch nicht davon auszugehen, dass es auf sechs- bis elfjährige verstörend, also jugendgefährdend wirken kann, wenn sich nackte, stöhnende Erwachsene auf einander übergeben oder sich in der Genitalgegend herzen, ist fahrlässig.

(An dieser Stelle eine kleine Anmerkung: Wenn John Rambo eine Kehle durchschneidet, ist das ein Spezialeffekt. Wenn John Rambo einen Mann mit MG-Salven durchsiebt, ist das ein Spezialeffekt. Wenn Nora Tschirner nackt vorm Badezimmerspiegel steht, ist das kein Spezialeffekt. Dieser Unterschied ist vielleicht Sechsjährigen nicht klar, aber definitiv jedem 18-Jährigen.)

Die Begründung der FSK für die ab6-Freigabe: das kindgerechte Setting im Kindergarten.

Mein Vorschlag an Sylvester Stallone: Lass RAMBO V im Kindergarten spielen! Da kannst du dann so viele (nackte!) Köpfe explodieren lassen, wie es dir beliebt - das "besonders wertvoll"-Siegel ist dir sicher.


Matthias Engelhardt


PS: JOHN RAMBO läuft in unserem Nachbarland Österreich ungekürzt. Ich werde nie wieder in Österreich Urlaub machen. Die Gefahr, auf lauter durch RAMBO verrohte, geistig verwirrte Alpenländer zu treffen, die nicht zwischen Film und Realität unterscheiden können, ist mir einfach zu groß.
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